“Touristen, Touristen, Touristen!”

Lichterfeld-Schacksdorf ist klein. Gerade einmal 590 Männer und 547 Frauen finden in dieser Ortschaft Platz. Umso größer die Attraktion dieses kleinen Ortes. Ja, sogar so groß, dass sie die Skyline von Lichterfeld-Schacksdorf beherrscht. Die F60. Und jeder kennt sie. Die Leute aus dem Ort, die Nachbarn aus Finsterwalde und auch die Bundestagsbewohner aus Berlin. Gerhard hat gleich einen überdimensionalen Aufkleber an dieser Abraumbrücke hinterlassen. Männlich, zuversichtlich, mit einem signalroten Helm. Stehend an der höchsten Stelle dieses Metallkonstrukts. Da steht bei einer Tour auch der allgemeine Besucher und sieht heute bei grauem Himmel und kaltem Wind auf Tannengewächse und mondähnliche Oberflächen. Dann noch ein Solarfeld. „Unglaubliche 4 Megawattstunden“, erzählt Andreas, der Besucherguide und lacht. Daneben ein See. DER See. Zweieinhalb lang und Anderthalb breit.

Benannt nach der Ortschaft, welche früher dort stand und protestlos dem Kohleabbau wich.

„Ja, und neben dem Bährwalder See entstehen halt auch noch andere kulturelle Sachen. Auch der ganze Uferbereich soll halt noch verschönert und bepflanzt werden und wir erweitern auch unser Areal.“ Wenn der See dann voll ist. Zirka 2012. Alles nach dem Vorbild, welches sich einige Kilometer entfernt befindet: der Senftenberger See. Segeln, schwimmen, sonnen, spielen, zelten, Rad fahren. Der komplette Spaß für die ganze Familie in und um der ehemaligen Kohlegrube. Ganz Lichterfelde in Vollbeschäftigung. Frühere Kumpel verkaufen Schleck-Eis oder vermieten Go-Karts für Kinder. Die Frauen bieten mobile Massageeinheiten. Große Pläne für einen kleinen Ort – für ein noch eher lebloses Stück Brandenburg –  hinter denen eher engagierte Bürger als eingreifende Politiker stecken

„Irgendwie muss es ja weitergehen, nä? Ja, und solche Besuche wie von Gerhard Schröder 2005 oder letztens auch Frank-Walther Steinmeier helfen uns natürlich bekannt zu werden.“ Wenigstens etwas. „Es geht ja schließlich um Geld und, naja, … Touristen, Touristen, Touristen!“ Er lacht wieder. „Wo wir hoffen, dass sie dann kommen, wenn alles hier fertig ist … auch wenn es momentan noch nicht danach aussieht.“

Nun lachen die Besucher.

Vielleicht kommen sie aber 2012 wieder und ihr Schmunzeln verwandelt sich in ein staunendes „Aah“ und „Ooh“. Vielleicht auch meines. Wir werden sehen.

Glück Auf Lichterfeld-Schacksdorf!

Text und Foto (1): © 2010 Martin Grötzschel


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