In The “Ghetto”

 

Es ist stickig. Wie eine Glocke stülpt sich die Hitze über die seelenlosen Betonburgen am Rande der Stadt. Selbst die verblichenen Graffitis an den Wänden scheinen sich unwohl zu fühlen, bröckeln leise von den dunkelbraunen in der Sonne verbrannten Kacheln.

Irgendwo weit oben in einem der Silos schreien sich zwei Stimmen an. Das Echo hallt weit über den verwaisten Schulsportplatz. Die einzigen Zuhörer sind zwei ältere Frauen, die sich auf einer einsamen Bank zum sonntäglichen Nachmittags-Kaffee-Klatsch getroffen haben. Worum es sich dabei dreht, bleibt mir verborgen – Russisch gehörte noch nie zu meinen Stärken. Auch wenn ich nicht verstehe, was die Frauen gerade bewegt, sie machen auf mich ganz und gar nicht den Eindruck, als ob sie sich in diesen Betonschluchten unwohl fühlen würden.

Vielleicht liegt es ja auch daran, dass einige Straßen so euphemistische Namen wie „Höhenpromenade“ tragen…

Foto: © Jan Gütter

Pixilation: © Martin Grötzschel